Dritter Vortrag im Rahmen der vom Verein BuntStift organisierten Veranstaltungsreihe
„Talente entdecken, Begabungen fördern“.
Vor interessierten Zuhörern gab die 1. Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind, Baden-Württemberg e.V., Frau Ophelia Markgraf, im Vortragssaal der vhs im Stiftsgymnasium Sindelfingen, Einblicke in die Komplexität beim Umgang mit Hochbegabung und Hochsensibilität.

Nach der Begrüßung durch den Vorstand des BuntStift, Hans Hatzl, stellte Frau Markgraf zunächst ihren gemeinnützigen Verein vor. 14 Regionalvereine in Deutschland unterstützen Familien mit hochbegabten Kindern, organisieren deren Vernetzung und verstehen sich als Interessenvertretung gegenüber Politik und Gesellschaft. Das Angebot umfasst Beratung, Information und die Durchführung von Veranstaltungen wie z.B. Spiel- und Knobelnachmittage. Daneben gibt der Verein noch viermal im Jahr die Mitgliederzeitschrift „Labyrinth“ heraus.
In ihrem Vortrag stellte Frau Markgraf gleich zu Beginn heraus, dass es im Umgang mit hochbegabten Kindern häufig Vorurteile und Mythen gibt wie z.B., dass hochbegabte Kinder sozial auffällig sind, was aber eindeutig widerlegt ist. Auch die Vorstellung, dass es sich um Wunderkinder handeln muss stimmt nicht, denn Hochbegabung bedeutet nicht zwangsläufig auch Hochleistung.
Es geht um Potentiale, die sich häufig dadurch zeigen, dass diese Kinder sich durch kluges und schnelles Denken auszeichnen, in der Lage sind Themen mit hoher Komplexität zu erfassen, ihre Umwelt intensiv wahrnehmen und verstehen und bei Aufgaben den Sinn dahinter erkennen wollen. Gerade dieser letzte Punkt ist für Lehrkräfte relevant.
Erkennungszeichen für Hochbegabung sind u.a. hohe Merkfähigkeit, guter Wortschatz, logisches Denken, hohe Energie und Ausdauer sowie das Streben nach Autonomie. Hochbegabte Kinder denken mehr, fühlen mehr und nehmen mehr als andere wahr. Dadurch unterscheiden sie sich im Vergleich zu anderen in ihrer Altersgruppe.
Wichtig ist es, den Kindern zu verstehen zu geben, dass dieses „Anderssein“ nicht negativ ist und ihnen Strategien zu vermitteln um damit umgehen zu können.
Erkennbar ist auch, dass eine hohe Korrelation zwischen Hochbegabung und Hochsensibilität besteht. Hochsensibilität ist nicht quantitativ zu erfassen und zeigt sich u.a. sensorisch oder empathisch. Im Zusammenhang mit Hochbegabung wird das Thema Hochsensibilität häufig übersehen.
Auch auf Verhaltensunterschiede zwischen hochbegabten Jungen und Mädchen ging Frau Markgraf in ihrer Darstellung ein.
Da hochbegabte Kinder Probleme oft ausgesprochen intensiv erleben, ist es wichtig, sie in ihren Stärken zu bekräftigen und sie ihre Fähigkeiten positiv empfinden zu lassen.
Drei Punkte stellte Frau Markgraf für den Umgang mit hochbegabten Kindern heraus: angemessene Herausforderungen und Förderung, Qualität statt Quantität und eine gute Balance zwischen Anspannung und Entspannung.
Die vielfältigen Fragen aus dem Plenum zeigten, dass der Vortrag, den Frau Markgraf immer wieder mit authentischen Praxisbeispielen anreicherte auf lebhaftes Interesse gestoßen war. Auch bei der Fragerunde betonte sie deutlich, dass Hochbegabung ein komplexes Thema ist, bei dem es keine Patentrezepte gibt und jede Situation individuell betrachtet werden muss. Zum Ende gab sie ihren Zuhörern auch noch einige Buchempfehlungen rund um das Thema „Hochbegabung“.
Zum Abschluss des Abends bedankte sich Herr Hatzl bei Frau Markgraf und den Gästen und wies noch auf die Vorträge „Mathematik entdecken, Schüler*innen fördern“ am 15.01.2026 und „Begabte Kinder besser fördern: Was die Wissenschaft uns verrät“ am 29.01.2026 sowie den „Tag des BuntStifts“ am 28.02.2026 hin.